Atzin – Desarrollo Comunitaro A.C. Gemeinsame, kommunitäre Entwicklung in Tlamacazapa, Guerrero

Das Projekt »Atzin« – früher Caminamos Juntos – ist ein Entwicklungshilfeprojekt in Tlamacazapa, einem Ort im Süden Mexico, an dem extreme Armut herrscht: Das Einkommen liegt unter 1 € pro Tag pro Person; es gibt keine Wasserversorgung, so dass die Menschen verdrecktes Brunnenwasser trinken müssen; es gibt nur eine rudimentäre Gesundheitsversorgung; die Analphabetismusquote liegt bei 40% der 6- bis 15-Jährigen.

Atzin begann 1996, damals noch unter dem Namen Caminamos Juntos (CJ) mit ersten Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft.

Es sind die Menschen aus Tlamacazapa, die mit dem Projekt zusammenarbeiten, die über die Maßnahmen von CJ entscheiden.

Gesundheit

Die Gründerin von Atzin/ CJ, Susan Smith, ist Krankenschwester und Gesundheits-wissenschaftlerin, mit langjähriger Erfahrung in Entwicklungshilfeprojekten weltweit. Das Projekt begann mit einer Kampagne zur Verbesserung der Kinderernährung: Kinder wurden regelmäßig gewogen und die Mütter beraten.

Außerdem wurde ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel gegen Parasitenerkrankungen hergestellt. In einer ganztägigen Sprechstunde jeden Samstag wird eine basisgesundheitliche Versorgung gewährleistet und parallel dazu werden Basisgesundheitshelferinnen aus der Gemeinde ausgebildet.

Aufgrund der hohen Kinder- und auch Müttersterblichkeit begann Susan Smith 1999 zusammen mit der Gynäkologin Anke Kleinemeier aus Hamburg die Ausbildung

einer Gruppe von Basishebammen. Einige haben die Ausbildung bereits abgeschlossen und beraten wöchentlich in einer Sprechstunde zur Schwangerschaftsfürsorge durchschnittlich 25 Schwangere.

Darüber hinaus begann Atzin/CJ mit einer Physiotherapie für körperlich Behinderte. Auch hier werden Physiotherapeutinnen aus der Gemeinde ausgebildet, die diese Tätigkeit dann selbstständig durchführen.

Umwelt

Erste Versuche, das aus dem Tal nach Tlamacazapa stundenweise hochgepumpte Wasser allen Menschen im Ort zugänglich zu machen, scheiterten an den verkrusteten Machtstrukturen im Dorf – der derzeitige Bürgermeister verdient an dem Verkauf von diesem Wasser, so dass seiner Ansicht nach kein Interesse an einer generellen Versorgung besteht. Weiterhin stellte sich heraus, dass das Wasser aus dem Tal und in den Brunnen mit Schwermetallen belastet ist – erste gesundheitliche Auswirkungen der Schwermetallvergiftungen sind deutlich sichtbar.

Deshalb konzentriert sich Atzin/CJ auf den Bau von Trockenlatrinesystemen und geschlossener Zisternen, in denen Regenwasser gesammelt wird.

Interessierte Familien sind für die Beschaffung der Materialien verantwortlich; der Bau der Latrine wird dann von Atzin/CJ durchgeführt, wobei gleichzeitig ein Maurer ausgebildet wird.

Mittlerweile konnten viele Latrinensysteme gebaut werden. Derzeit besteht eine Warteliste für weitere. Außerdem wurden für die Schule drei Latrinen (für Jungen, Mädchen und LehrerInnen) gebaut.

Wirtschaft

Da Ackerbau aufgrund der steinigen Berglage kaum möglich ist, lebt Tlamacazapa hauptsächlich vom Körbeflechten. Die Körbe werden vor allem durch die Frauen und Kinder aus getrockneten Palmenblättern geflochten, und dann durch die Männer in den Städten verkauft.

Für Frauen, die ihre Männer verloren haben oder verlassen wurden, gab es daher nur die Möglichkeit, ihr Einkommen über Mittelsmänner zu sichern, wobei dieses mit deutlich schlechteren Einnahmen einherging.

Deshalb hat Atzin/CJ Frauen bei der Gründung einer Kooperative unterstützt und organisiert den Weiterverkauf der Körbe. Dabei lernen die Frauen sowohl lesen und schreiben, als auch einfache Buchhaltung. Dies hat für die Frauen in der Kooperative und deren Familien zu einer deutlichen Stabilisierung des Einkommens beigetragen.

Mittlerweile werden Steppdecken und Schulkleidung für die Kinder produziert, die ebenfalls über die Kooperative verkauft werden.

Außerdem wird ein kleiner Laden unterhalten, in dem es Produkte gibt, die für den Alltag wichtig sind, z.B. Metalltöpfe, die die bleihaltigen Lehmtöpfe ersetzen können.

Bildung

Angesichts der großen Zahl von Kindern und Jugendlichen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in das formale Schulsystem aufgenommen wurden, begann CJ im Herbst 2006 mit der Ausbildung von jungen SchulabgängerInnen zu BildungspromotorInnen, die z.Z. fast 100 Kinder und Jugendliche unterrichten.

Das Projekt wird nur durch ehrenamtliche Arbeit von in der nahe gelegenen Stadt Cuernavaca/ im Bundesstaat Morelos lebenden Menschen und ausländischen VolontärInnen und bislang unregelmäßigen Spenden getragen.

Projektinfo Englisch:
» ATZIN Rebuilding Community – Increase Value – Strengthening Self